21/12/2025 0 Kommentare
Großes Versprechen
Großes Versprechen
# Predigt

Großes Versprechen
Ich will bei euch wohnen, versprach Gott. Und er kam, wurde Mensch, und wir sahen seine Herrlichkeit. Predigt am 4. Advent 2025 (21.12.) von Pfr. Burkhard Weitz
Liebe Gemeinde,
Sie kennen das bestimmt: Leute, die ihre großen Pläne ausbreiten, was sie alles vorhaben, was sie einem alles versprechen. Sie können begeistert reden, große Visionen entwerfen, mit den tollsten Versprechungen daherkommen. Und am Ende erweist sich alles als heiße Luft. Außer großen Reden nichts gewesen.
Sie kennen die Politikerreden, das Phrasengedresche, die Wortbausteine, die aneinandergereiht und pausenlos wiederholt werden, so lange, bis man merkt: Der ist ja gar nicht bei der Sache. Der redet nur irgendwas daher, um gute Stimmung zu machen, und nachher ist wieder alles vergessen.
Sie kennen auch die Liebesversprechen verflossener Liebschaften, große Treuezusagen, ewige Treueschwüre, innigste Liebesbekundungen. Oder man heiratet hochromantisch, um dann einige Jahrzehnte später einander schweigend am Frühstückstisch gegenüberzusitzen und sich an die heiße Phase der Liebe zu erinnern; und man überlegt, was übrig geblieben ist von dem romantischen Anfang, und dann lächelt man versonnen. Manche spüren auch eine große Enttäuschung in sich.
Ich denke dann an die Worte Jesu aus der Bergpredigt, der ermahnt, wir sollten niemals schwören; keine falschen Versprechungen ablegen; keine unerfüllbaren Wünsche in Aussicht stellen. „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.“
Und ich denke an die Mönche, die ein Schweigegelübde abgelegt haben und einfach gar nichts mehr sagen. Ich denke an einen Mönch, von dem uns bei der Ägyptenreise unserer Jugend Anfang Oktober erzählt wurde, der nur noch zwei Dinge gesagt hat. Ich weiß nicht mehr genau, was es war, aber sinngemäß antwortete er auf manche Ansprache mit der Formel: „Gelobt sei Jesus Christus“, und auf andere Ansprache mit der Formel: „Gott sei Dank.“ Damit kam er ein ganzes Leben aus.
Besser nichts sagen, als etwas Falsches sagen!
Besser nicht versprechen, was man am Ende nicht einhalten kann.
Besser keine Erwartungen wecken, denen man nicht nachkommen kann.
Eure Rede sei Ja, ja, nein, nein, alles andere ist von Übel.
Im Predigttext für den heutigen Sonntag greift der Apostel Paulus dieses Jesuswort auf. Und er münzt es um auf ein anderes Versprechen, das uns gegeben ist – ein Versprechen, das Gott längst eingelöst hat, das er im Glauben an Christus befestigt hat. Es ist also kein leeres Versprechen, versichert Paulus: Und er schreibt in seinem 2. Brief an die Korinther, 1. Kapitel, Verse 18 bis 22:
Gott ist mein Zeuge: Keines unserer Worte an euch bedeutet gleichzeitig „Ja“ und „Nein“. Wir – das heißt: ich, Silvanus und Timotheus – haben bei euch Gottes Sohn, Jesus Christus, verkündet. Und von dem gilt: Er war nicht „Ja“ und „Nein“ zugleich, sondern er ist das „Ja“ in Person.
Durch ihn sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat.
Auf ihn berufen wir uns, wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen. Gott selbst ist es, der uns gemeinsam mit euch im Glauben an Christus festigt. Er hat uns gesalbt und uns sein Siegel aufgedrückt. Dazu hat er uns den Heiligen Geist als Vorschuss auf das ewige Leben ins Herz gegeben.
Wir sind so geprägt von Skeptizismus und Religionskritik, dass vielen von uns dieses überschwängliche Gottvertrauen abhandengekommen ist, das Paulus da beschwört.
Paulus konnte damals vor bald 2000 Jahren sagen: „Gott ist Mensch geworden. Ihr habt es doch alle mitbekommen. Es ist gar nicht so lange her, und es leben noch etliche, die selbst seine Gegenwart erlebt haben. Gott wurde Mensch, und er wohnte mitten unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“
So konnte es Paulus damals, in der ersten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts noch sagen: Gott hat sich von seinem Thron zu uns hinabgebeugt, so tief hinabgebeugt, dass er unseresgleichen wurde, dass er mein Elend, dein Elend durchlitt. Er wurde uns gleich, damit er uns mitnehme, damit er uns ihm gleich mache. Gott wurde Mensch, damit wir Menschen werden können.
Wir deuten das heute in aller Regel mit Blick auf unser persönliches Heil. So wie Gott alle Tiefen menschlicher Existenz erlebte und erlitt, so wie er das äußerste Martyrium auf sich nahm und unseren Tod starb, und so wie Gott ihn dann vom Tode erweckte und zu höchsten Ehren brachte, so wird es auch all denen geschehen, die diesem Christus angehören. Egal was uns, die wir Christus angehören, auf Erden widerfährt, wir werden mit ihm sterben und mit ihmauferstehen. Und es kann uns gar nichts widerfahren, das uns unsere Hoffnung auf Gottes Reich nehmen könnte.
Wir deuten dieses eingelöste Versprechen Gottes auf unser persönliches Heil. Aber es ist noch viel radikaler gemeint. Denn wenn wir zu Christus gehören, dann werden wir mit ihm auch zu Teilenden, zu Heilenden, zu Einladenden. Dann öffnen wir unsere Gemeinden für Menschen jeder religiösen, jeder ethnischen und jeder sozialen Herkunft. Dann überwinden wir die gesellschaftlichen Mauern und Grenzen wenigstens in den kurzen Zusammenkünften, in denen wir das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern nachstellen, in den Zusammenkünften, in denen wir ein Miteinander inszenieren, in dem jedes Misstrauen, jede Feindschaft, jede Ausgrenzung überwunden sein könnte. Und dann erleben wir jetzt schon, wie es dermaleinst ist in Gottes Reich sein wird, wenn alle Menschen Brüder und Schwestern sind, wenn alle Feindschaft überwunden ist, wenn Mitmenschlichkeit und Freundlichkeit regieren. Dann bekommen wir jetzt schon eine Ahnung davon, was uns dermaleinst erwartet.
Noch dreieinhalb Tage, dann feiern wir, dass Gott Mensch wird, damit wir Menschen werden. Dass er unseresgleichen wird, damit wir seinesgleichen werden: Ebenbilder und Gleichnisse Gottes. Dann feiern wir, dass er unser Elend erlitt, damit wir unser Elend nie allein durchschreiten müssen. Dass er selbst den Tod bezwang, damit wir schier gar nichts mehr fürchten müssen.
Dieser Heiland, der vor 2026 Jahren zur Welt kam, ist das „Ja“ in Person. Durch ihn sagt Gott Ja zu allem, was er je versprochen hat. Auf ihn berufen wir uns, wenn wir zu Gottes Ehre »Amen« sagen. Gott selbst ist es, der uns gemeinsam im Glauben an Christus festigt. Er hat uns gesalbt und uns sein Siegel aufgedrückt. Und dazu hat er uns den Heiligen Geist als Vorschuss auf das ewige Leben ins Herz gegeben. Amen
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