26/03/2026 0 Kommentare
Gottes Wort schmeckt nicht jedem
Gottes Wort schmeckt nicht jedem
# Predigt

Gottes Wort schmeckt nicht jedem
Mal sind es bittere Worte, mal Worte so süß wie Honig. Aber auch im Haus des Widerspruchs kann man es sich einrichten. Predigt am 8. Februar 2026 von Vikar Michael Rydryck
Die Gnade unseres Herren Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Buch des Propheten Ezechiel im 2. und 3. Kapitel. Ezechiel beschreibt eine Vision, die ihm von Gott geschenkt wird. Was Gott zu sagen hat, das soll Ezechiel von Mensch zu Mensch sagen. Doch die Frage ist, ob jemand bereit ist zu hören.
Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden. Und als er so mit mir redete, kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte dem zu, der mit mir redete. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den abtrünnigen Israeliten und zu den Völkern, die von mir abtrünnig geworden sind. Sie und ihre Väter haben sich bis auf diesen heutigen Tag gegen mich aufgelehnt. Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen:
»So spricht Gott der HERR!« Sie gehorchen oder lassen es, denn sie sind ein Haus des Widerspruchs, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist. Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht nicht entsetzen – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs. Aber du, Menschenkind, höre, was ich dir sage, und widersprich nicht wie das Haus des Widerspruchs. Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde. Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hielt eine Schriftrolle. Die breitete sie aus vor mir, und sie war außen und innen beschrieben, und darin stand geschrieben Klage, Ach und Weh. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iss, was du vor dir hast! Iss diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf und er gab mir die Rolle zu essen und sprach zu mir: Du Menschenkind, gib deinem Bauch zu essen und fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe. Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig.
Worte können aufbauen oder zerstören. So ist es mit Gottesworten und so ist es mit Menschenworten. Worte können heilen oder verletzen. Sie können befreien oder versklaven, Zuversicht verbreiten oder Angst säen. So ist es mit Gottesworten und so ist es mit Menschenworten.
Aus Worten, so beschreibt es der Predigttext, bauen wir Menschen uns Häuser, um uns darin einzurichten. Wir sind es, die entscheiden, in welchem dieser Häuser wir leben wollen. Wir entscheiden, auf welche Worte wir hören und auf welche wir nicht hören wollen.
Wollen wir auf Worte des Lebens hören und im Haus des Lebens wohnen? Oder wollen wir auf Worte des Widerstreits hören und im Haus des Widerspruchs leben? Gott lässt uns die Wahl.
Die Entscheidung, welche Worte ich hören will, hängt natürlich auch davon ab, welche Worte mir schmecken. Gottes Wort, das weiß der Prophet, schmeckt nicht jedem. Mal sind es bittere Worte, mal Worte so süß wie Honig. Mal sind es eingängige Worte, mal Worte, auf denen ich noch lange herumkauen muss. Wie bei einem guten Wein, ist das Entscheidende nicht der erste, oft flüchtige Eindruck, sondern der lange Abgang: Gottes Worte, ob bitter oder süß, sind Worte des Lebens.
Gottes Worte bauen ein Haus des Lebens, in dem wir Offenheit und Freiheit, Weite und Zuversicht finden, aber auch Regeln und Respekt, freie Rede und freie Gedanken. Gottes Worte sind Brot des Lebens, an dem wir uns nicht den Gaumen verderben, sondern an dem wir Geschmack finden sollen. Es sind Worte, die dem Leben dienen, die uns heilen und die uns wachsen lassen.
Doch auch im Haus des Widerspruchs, gibt es Worte, die uns schmecken. Zumindest am Anfang. Es ist wie mit einer Tüte Chips – wenn man die ersten gegessen hat, kann man nicht mehr aufhören und am Ende hat man sich überfressen. Oder wie mit einer Tüte Haribo – zu Beginn ist alles extrem lecker und am Ende schmeckt alles klebrig süß und man bekommt Bauchweh. Diese Art Widerspruch meint der Prophet. Es geht nicht darum, dass wir nicht frei denken und frei reden dürfen – ganz im Gegenteil. Aber wer im ewigen Widerspruch mit Gott, mit seinen Mitmenschen und mit sich selbst ist, der wird kaum ein gutes und gelingendes Leben führen.
Wenn der Prophet von Worten des Widerspruchs redet, dann meint er Worte, die verletzen, die sich verschließen und abschotten, Worte, die unfrei machen und Angst verbreiten.
Es geht ihm um die Hassprediger und Populisten, die ewigen Nörgler, die alles schlecht reden, um die Hetzer und Verführer, deren Worte zuerst ganz eingängig wirken, die aber einen bitteren und giftigen Nachgeschmack haben. Worte können aufbauen oder zerstören. So ist es mit Gottesworten und so ist es mit Menschenworten.
Worte des Widerspruchs können konstruktiv oder destruktiv sein. Es gilt, sie zu unterscheiden. Es gilt zu wählen, welchen Worten wir unsere Ohren, unseren Mund und unser Herz öffnen oder verschließen wollen. Denn mit Worten bauen wir unsere Welt und wir entscheiden, ob wir am Haus des Lebens oder am Haus des Widerspruchs mitbauen wollen.
Die Entscheidung ist frei, aber am Ende müssen wir in dem Haus leben, das wir mit unseren Worten selbst gebaut haben. Gott lässt uns die Wahl. Wir können auf seine Worte hören oder es lassen. Wir können den Frieden wählen oder den Unfrieden. Wir können uns dem Leben öffnen oder dem Tod ergeben.
Wenn wir uns aber für das Leben entscheiden, dann können und sollen wir auch Worte wählen, die dem Leben dienen. Auch wenn diese Worte nicht jedem schmecken, auch wenn sie auf Widerspruch stoßen.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd. Doch wir sollen nicht furchtsam sein, sondern offen für Worte des Lebens und offen reden über das, was dem Leben dient.
Denn du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht nicht entsetzen – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs –, sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs.
Auch Jesus hat diesen Widerspruch erfahren, von dem der Prophet spricht. Aufgrund seiner Worte, die nicht jedem schmecken und die nicht immer leicht verdaulich sind, wenden sich viele seiner Schüler von Jesus ab, doch einige bleiben: Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir haben nicht in der Hand, was andere Menschen hören wollen oder was sie sagen. Wir entscheiden aber, was wir hören wollen und was wir sagen.
Denn Worte können heilen oder verletzen. Sie können befreien oder versklaven, Zuversicht verbreiten oder Angst säen. Wenn wir auf Worte des Lebens hören und Worte des Lebens sprechen, dann bauen wir mit am Haus des Lebens. Dann werden uns Güte und Erbarmen folgen unser Leben lang und wir dürfen bleiben im Haus des Herrn immerdar. Amen.“
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