Die Welt verändert sich immer schneller

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# Predigt

Die Welt verändert sich immer schneller

Aber eine Gewissheit bleibt: Jesus Christus - gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Predigt am Altjahrsabend, am 31.12.2026 von Pfr. Weitz, Friedenskirche Offenbach


Liebe Gemeinde,

einige von Ihnen werden vielleicht schon die allgegenwärtigen Jahresrückblicke studiert haben. Ich werde kaum drumherum kommen, einmal in dieser Predigt an diese verrückten Meldungen des Jahres zu erinnern. 

Denn der Predigttext für den heutigen Altjahrsabend stellt einen Satz ohne Verb in den Mittelpunkt. Und dieser Satz wird gerade vor dem Hintergrund dessen, was sich 2025 ereignet hat, besonders eindrücklich. Er lautet: 

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 

Ich habe erst gedacht: Ich will all diese verunsichernden Nachrichten aus dem Jahr 2025 gar nicht mehr hören. Ich will etwas Tröstliches zum Jahresabschluss hören, etwas, das Hoffnung macht. Aber nun steht da dieser monolithische Satz da im Raum:

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 

Und er erinnert mich daran: Nichts anderes scheint mehr stabil zu sein. Nichts anderes scheint mehr Gewissheit zu geben. Denn alles andere ist im Fluss. Dieser Satz ist keine Flucht ins Private, keine Flucht in die Religion, keine Flucht in ein besseres Jenseits. Sondern ich behaupte: Dieser Satz bietet eine aufrichtende Gewissheit, die stärker ist als alle Tollheiten um uns herum, eine Gewissheit für dich, für mich, für jeden und jede von uns. Und wir brauchen diese Gewissheit, denn es sind so viele Tollheiten um uns herum, dass man kaum den Überblick behalten kann.

Nicht einmal ein Jahr her ist es, dass Donald Trump im Amt ist, und Woche für Woche beansprucht er mit seinen Wutreden und seinen Eitelkeiten, mit seiner Uninformiertheit und mit seinen Launen unsere Aufmerksamkeit. 

Innerhalb dieses einen Jahres wollte er den Gazastreifen zum Immobilenparadies umgestalten, Grönland annektieren und den Friedensnobelpreis haben. Er ließ sich von Wladimir Putin einseifen, demütigte Wolodymyr Selensky vor aller Öffentlichkeit, verprellte seine engsten Verbündeten. Er brachte die europäische Sicherheitsarchitektur in Gefahr, und die chinesische Marine fährt ein Manöver nach dem anderen vor der Insel Taiwan. Zwischendurch ließ Trump zusammen mit Israel den Iran bombardieren, dass mancher schon den dritten Weltkrieg heraufziehen sah. Trump lässt das US-Militär gegen die eigene Bevölkerung aufmarschieren, er lässt das US-Militär venezolanische Boote versenken und auf Ertrinkende schießen. Er erlässt hohe Zölle für alle Welt und treibt die heimische Inflation hoch. Daheim löst er das Bildungsministerium auf und weigert sich erst die Akten im Epstein-Skandal freizugeben, bei dem prominente Männer minderjährige Frauen jahrelang nötigten, womöglich auch Donald Trump, dann gab er sie frei, ließ aber alles schwärzen, wo sein Name stehen könnte. 

Jedes einzelne dieser Ereignisse hätte jeden anderen Präsidenten vor ihm zu Fall gebracht. Aber der von sich selbst besessene Trump lässt sich nicht aufhalten, auch wenn Korruption und Selbstbereicherung in Washington nie gekannte Ausmaße erreicht haben. Noch fast ein Jahr wird es bis zu den Zwischenwahlen zum US-Kongress dauern. Niemand traut sich mit Gewissheit zu sagen, ob sie überhaupt stattfinden und, wenn doch, traut sich niemand eine Prognose, was dabei herauskommen könnte. 

Auch die Bundespolitik verändert sich mit immer schnellerem Tempo. Vor einem Jahr war Olaf Scholz noch Kanzler. Seit Mai regiert Bundeskanzler Friedrich Merz. Christian Lindner zog sich aus der Politik zurück, ebenso Robert Habeck. Der Mindestlohn liegt jetzt bei 13,90 Euro. Und die Arbeitslosenzahl in Deutschland steigt erstmals seit 2015 auf mehr als drei Millionen. Eine gescheiterte Verfassungsrichterinnenwahl im Sommer endete mit dem Verzicht der Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf auf die Kandidatur. Wir debattieren schon über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Bei der NRW-Kommunalwahl im September verdreifachte die AfD ihr Ergebnis gegenüber 2020. Und im November gründete sich die AfD-Jugend in Gießen neu. Sie war unter dem Namen „Junge Alternative“ als verfassungsfeindlich verboten worden. Nun nennt sie sich „Generation Deutschland“, und sie wählte einen 29-jährigen zu ihrem Vorsitzenden, der Videos von Neonazi-Bands auf Social Media teilt und rechtsextreme Jugendliche zu Kampfsport aufruft. 

Uns begleiteten Meldungen zu Attentaten. Ein afghanischer Asylbewerber fährt mit einem Auto in München in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft ver.di und verletzt mehrere Personen. In den USA erschießt ein Attentäter den rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk. Am Bondi Beach in Sydney schießen ein pakistanisch-stämmiger Australier und sein Sohn in eine Gruppe australischer Juden, die Channuka feiern. Sie ermorden zwölf Personen und verletzen viele andere. Ein Syrer schreitet ein und überwältigt vorübergehend einen der beiden Attentäter.  

Uns begleiteten Meldungen zur Klimakrise. Im Januar vermeldete der Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus, dass die Erderwärmung 2024 erstmals über 1,5-Grad-Marke lag. Die Zahl der extremen Wetterereignisse nahm zu. Dürren, Hitzewellen, Wirbelstürme, Überschwemmungen und Waldbrände forderten Menschenleben und verwüsteten Landstriche. Das Jahr 2025 könnte nun zum zweit- oder drittheißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen erklärt werden. Erst im Januar 2026 sollen genauere Zahlen vorliegen. 

Alle anderen Nachrichten über Bestechungsfälle, Kriminalfälle, Unfälle, Todesfälle lasse ich aus. Auch die verunsichernden Nachrichten aus der Kirche, all die Zusammenlegungen und Regeländerungen und Reformen, die sich nicht immer an der Wirklichkeit vor Ort orientieren. All die Verunsicherung innerhalb der Kirchenleitung angesichts anhaltender Austrittszahlen. 

Wer kann bei all diesen Meldungen die Übersicht behalten? Alte Gewissheiten bröckeln in Windeseile. Nichts scheint mehr sicher, alles könnte morgen schon wieder Geschichte sein. 

Der Predigttext für den heutigen Altjahrsabend hält eine Gewissheit gegen diese Ungewissheit. Und ich bleibe dabei: Diese Gewissheit ist wichtig dieser Tage. Sie ist keine Flucht ins Private, keine Flucht ins Religiöse, keine Jenseitsvertröstung. 

Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 

Dieser Satz braucht kein Verb. Und die nachfolgenden Verse aus dem Abschnitt Hebräer 13,8-9b, unserem heutigen Predigttext, bekräftigen diesem Satz nur:

Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, 
denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz gefestigt werde, 
welches geschieht durch Gnade

Denn diese eine Gewissheit gilt. Nichts anderes soll uns umtreiben, keine politische oder anderer Stimmungsmache, kein ideologischer oder religiöser Verführer, kein Angstmacher und Panikprophet, keine verrückte Kirchenreform. 

Wir sollen und können die Ruhe bewahren. Unser Herz soll gestärkt und gefestigt bleiben – nicht starr, sondern stabil, gewappnet durch Vernunft und Einsicht gegen Infragestellung und Wankelmut. 

Und wenn es sich als gefestigt erweist und man sich auch in starker Anfechtung als robust bewährt, dann schreiben wir uns dies nicht selbst zu. Sondern solche Festigkeit verdanken wir göttlicher Gnade. 

„Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“? 

Ich möchte diesen Satz ausführen und ihn Ihnen das für das kommende Jahr das Folgende mitgeben: Komme, was wolle: Wenden Sie Ihren Blick nicht ab von diesem Jesus von Nazareth, nicht von dem Rahmen, den er mit seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung gesetzt hat: 

Er, der in göttlicher Gestalt war, 
der sich selbst entäußerte
und Knechtsgestalt annahm.
Er wurde den Menschen gleich.
Er erniedrigte sich selbst 
und war gehorsam bis zum Tod, 
ja zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott erhöht 
und ihm den Namen gegeben, 
der über allen Namen ist, 
dass alle Welt bekennen soll: 
Jesus Christus ist der Herr.

Wenden Sie Ihren Blick nicht ab von dem, der Kranke heilte, Kinder segnete, Aussätzige wieder in die Mitte der Gesellschaft holte, der irdischen Reichtum verachtete und den Dienst am Nächsten für höher achtete, als jede angemaßte Macht. 

Er, auf dem der Geist des Herrn ruhte, 
weil er ihn gesalbt hatte, 
das Evangelium den Armen zu verkündigen. 
Er, den Gott gesandt hatte, den Gefangenen zu predigen, 
dass sie frei sein sollen, 
und den Blinden, dass sie sehen sollen, 
und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, 
zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.  

Wenden Sie nicht ab von dem, der Sünde vergeben konnte. Der auch den geringsten unter den Sündern annahm und ihnen eine neue Chance eröffnete. Der sein Leben hingab für dich, für mich, für die Sünde der ganzen Welt. 

Bleiben Sie bei denen, die sich an Jesus Christus halten, die sich von dem Christus berühren lassen. Wachsen Sie in der Liebe füreinander, für diese Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Lebenslagen und Berufsbiografien, schwierigen und komplizierten Menschen, mit denen Sie sonst nie zusammenkommen würden. Diese Kirche Jesu Christi, sie ist Gottes Plan für seine Schöpfung, für seine Welt. 

Und wenden Sie Ihren Blick nicht ab von dem, 
der das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist,
der Erstgeborene vor aller Schöpfung.
Denn es hat Gott gefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte 
und Gott durch ihn alles mit sich versöhnte,
es sei auf Erden oder im Himmel,
indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. 

Wenden Sie den Blick nicht ab von diesem Jesus von Nazareth. In der Welt mag vieles geschehen, worauf Sie keinen Einfluss haben. Gehen Sie Ihren Weg durchs Leben, aufrecht, wie dieser Jesus von Nazareth, offen für das, was Gott Ihnen sagen will, und wo es geht: im Dienst an ihrem Nächsten, im Dienst an denen, die Ihrer Hilfe bedürfen, im Dienst von allem, was dieser Erstgeborene vor aller Schöpfung geschaffen hat: im Himmel und auf Erden. 

Gehen Sie Ihren Weg, aufrecht und gerade, auch durch Tod und Auferstehung. Gehen Sie mit der Zuversicht, dass – komme was wolle – Gott die Geschicke dieser Welt in seinen Händen hält.  Und wenden Sie Ihren Blick nicht ab von Jesus, von dem Christus – gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Amen. 

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